CIO Agenda 2026: IT als strategischer Werttreiber statt technischer Servicepartner

Wie moderne CIOs ihre IT entlang klarer Wertströme ausrichten – und damit selbst maßgeblich zum Umsatzwachstum des Unternehmens beitragen.

Viele Unternehmen spüren, dass ihre IT nicht mehr mit der Geschwindigkeit des Marktes Schritt hält. Projekte dauern zu lange, neue Anforderungen, insbesondere für Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz, lassen sich nur schwer zeitnah umsetzen, und Innovationen entstehen außerhalb der zentralen IT.  Die Fachbereiche fordern mehr Mitsprache und Flexibilität, während die IT auf Stabilität und Sicherheit bedacht bleibt.

Das Ergebnis: Die IT liefert zuverlässig, aber nicht mit der geforderten Schnelligkeit. Fachbereiche wiederum versuchen, eigene Lösungen zu schaffen, häufig ohne die nötige Governance. Die Folge sind isolierte Tools, redundante Daten und Schatten-IT, die nicht nur das Zusammenspiel zwischen zentraler IT und Business erschwert, sondern auch zu Sicherheitsrisiken führt.

Viele Verantwortliche erkennen, dass Veränderungen notwendig sind. Doch wie kann eine IT-Organisation gestaltet sein, die Stabilität bewahrt und gleichzeitig Innovation ermöglicht – ohne dass die Fachbereiche das Gefühl haben, ihre gewachsene Systemhoheit oder Entscheidungsfreiheit zu verlieren? Die Antwort liegt nicht in neuen Tools, sondern in einer neuen Form der Zusammenarbeit. 

Fusion IT als Brücke zwischen Stabilität und Innovation

Fusion IT beschreibt ein Operating Model, das IT und Business enger miteinander verzahnt. Es setzt auf nahe Zusammenarbeit mit dem Business und erhöht die Effizienz und Wertschöpfung der IT. Ziel ist es, die Stärken beider Welten zu vereinen: die Verlässlichkeit der klassischen IT und die Dynamik der Fachbereiche.

Das folgende Schema zeigt Aufbau und Zusammenspiel der zentralen Elemente einer Fusion IT und dient als Navigationshilfe für die Umsetzung. 

Die sechs zentralen Elemente der Fusion IT

Fusion IT ist mehr als eine organisatorische Anpassung. Es ist ein strategisches Betriebsmodell, das Unternehmen in die Lage versetzt, Innovation, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit gleichzeitig zu realisieren. Damit Fusion IT seine volle Wirkung entfalten kann, braucht es das Zusammenspiel von sechs klar definierten Elementen. Sie bilden den strukturellen, technologischen und kulturellen Rahmen für ein modernes, Value-Stream-orientiertes IT-Modell, das Business und IT nahtlos miteinander verbindet.

Diese sechs Elemente stehen nicht isoliert nebeneinander. Sie greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig. Gemeinsam definieren sie die Rolle der IT neu und führen sie weg vom reinen Technologieanbieter hin zu einem zentralen Business Enabler mit messbarem Beitrag zur Wertschöpfung. 

1. Core IT Services – Stabilität, Effizienz und globale Standards

1. Core IT Services – Stabilität, Effizienz und globale Standards

Die Core IT Services bilden das Fundament jeder digitalen Organisation. Sie stellen sicher, dass zentrale Infrastrukturen und Basisdienste zuverlässig, sicher und wirtschaftlich betrieben werden. Dazu gehören unter anderem Client-Services, Netzwerk, Cloud- und Datacenter-Services sowie globale Sicherheits- und Supportprozesse.  

In der Fusion IT werden diese Services konsequent standardisiert, automatisiert und unternehmensweit harmonisiert. Durch zentrale Steuerung und den verstärkten Einsatz von Managed Services entsteht ein Betriebsmodell, das technologische Stabilität mit klaren finanziellen Vorteilen verbindet. Standardisierung reduziert Varianten und Komplexität, Automatisierung senkt den operativen Aufwand, und skalierbare Plattformen ermöglichen effizienten Ressourceneinsatz. Das Ergebnis sind signifikant niedrigere Betriebs-, Lizenz- und Supportkosten bei gleichzeitig höherer Servicequalität.  

Ihre Rolle im Fusion-IT-Modell: 
Die Core Services liefern nicht nur eine stabile Plattform für Enterprise Services und Fusion Teams, sondern schaffen vor allem wirtschaftlichen Freiraum. Je stärker standardisiert, automatisiert und kosteneffizient dieses Fundament ist, desto mehr Budget und Kapazität stehen für wertschöpfende Innovationen und geschäftliche Differenzierung zur Verfügung.   

2. Enterprise Services – Plattformen, Daten und Business-Fit

2. Enterprise Services – Plattformen, Daten und Business-Fit

Enterprise Services umfassen alle geschäftskritischen Applikationen und Plattformen wie ERP-, CRM-, MES-, HR-Systeme oder Datenplattformen. Viele dieser Systeme – etwa SAP als zentrales ERP– sind historisch gewachsen und weisen häufig Inkonsistenzen, redundante Tools und fehlende Datenharmonisierung auf.  

In der Fusion IT übernehmen die Enterprise Services eine neue, entscheidende Rolle. Sie werden zum Rückgrat der digitalen Wertschöpfung und damit zum verbindenden Element zwischen den Kernprozessen eines Unternehmens. Am Beispiel SAP zeigt sich dies besonders deutlich: Die Ablösung veralteter SAP-Landschaften, die Einführung moderner S/4HANA-Architekturen oder laufende Transformationsprogramme sind typische Schritte, mit denen Unternehmen ihre Enterprise Services modernisieren und auf eine konsistente Zukunftsausrichtung bringen.  

Wesentlich ist, dass Enterprise Services global orchestriert, architekturbasiert weiterentwickelt und konsequent auf die Business-Strategie ausgerichtet sind. Dazu gehören insbesondere:  

  • eine konsistente Enterprise- und Datenarchitektur  
  • skalierbare Plattformen für die Bereitstellung von Echtzeitdaten  
  • klare Schnittstellen- und Integrationsstandards  
  • hohe Usability und einfache Zugriffsmöglichkeiten für Fusion Teams  

Ihre Rolle im Fusion-IT-Modell: 
Enterprise Services stellen die skalierbare und moderne Infrastruktur bereit, auf der KI-Anwendungen, datenbasierte Entscheidungen und digitale Produkte aufbauen. Die zentrale Bereitstellung dieser Services reduziert Doppelstrukturen, hebt Effizienzen und Synergien und führt so auch zu spürbaren Kostenvorteilen. 

3. Fusion Teams – das Herz der Wertschöpfung

3. Fusion Teams – das Herz der Wertschöpfung

Fusion Teams bilden den Kern des Modells und sind die zentralen Business-Differenziatoren. Sie setzen sich aus Expert:innen aus Business und IT zusammen, arbeiten cross-funktional und verantworten gemeinsam ein Produkt, eine Plattform oder ein Business-Segment mit klar definierten Ergebnissen.

Ein Fusion Team ist keine Projektorganisation, sondern eine dauerhafte strukturelle Einheit mit:

  • End-to-End-Verantwortung für Produkt, Service oder Plattform
  • Umsatz- und Profitverantwortung
  • eigenem Budget
  • unternehmerischer Entscheidungsbefugnis
  • klarer Ausrichtung auf Kundennutzen und Marktanforderungen

Fusion Teams verbinden technologische Kompetenz mit tiefem Business-Verständnis. Genau das macht sie so wirksam. Sie sind der Ort, an dem digitale Wertschöpfung entsteht, weil Business und IT gemeinsam Produkte, Services und Geschäftsmodelle entwickeln, die direkten geschäftlichen Nutzen schaffen und Umsatzpotenziale heben.  

Ihre Rolle im Fusion-IT-Modell: 
Fusion Teams sind das agile Kraftzentrum der Organisation. Sie arbeiten schnell, kundennah und innovationsstark und verfügen über echte Ergebnisverantwortung. 

4. Fusion Projects – temporäre Innovations- und Transformationsmotoren

4. Fusion Projects – temporäre Innovations- und Transformationsmotoren

Neben den dauerhaft etablierten Fusion Teams spielen auch Fusion Projects eine zentrale Rolle. Dabei handelt es sich um zeitlich begrenzte, cross-funktionale Einheiten, die zum Beispiel

  • wichtige Transformationsprogramme
  • strategische Innovationsinitiativen
  • neue Produkte
  • neue Plattformen oder Services

vorantreiben.

Fusion Projects ermöglichen es, große Veränderungsvorhaben schnell und strukturiert zu starten, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. Sie dienen häufig als Einstiegspunkt in neue Arbeitsweisen und als Räume, in denen kulturelle Muster aufgebrochen und neue Impulse gesetzt werden.

Ihre Rolle im Fusion-IT-Modell: 
Fusion Projects bilden die Brücke zwischen Strategie und Umsetzung. Sie schaffen den Nährboden, auf dem neue Strukturen, Technologien und Mindsets entstehen. 

5. IT Consulting Services – Inhouse Expertise, die Geschwindigkeit schafft

5. IT Consulting Services – Inhouse Expertise, die Geschwindigkeit schafft

Die IT Consulting Services stellen flexibel Expert:innen bereit, welche Business und IT in Transformationsinitiativen, Projekten und Innovationsprogrammen unterstützen – darunter Security-, KI- und Data-Spezialist:innen, Automations-Expert:innen, IT-Projektmanager:innen, Change Manager:innen und Architekt:innen.  

Diese Rollen sind für eine erfolgreiche digitale Transformation entscheidend, stehen in vielen Unternehmen jedoch nur begrenzt zur Verfügung. Gleichzeitig sind sie dauerhaft gefragt, denn jede neue Initiative benötigt fachliches Know-how, methodische Expertise und eine professionelle Begleitung.

Ihre Rolle im Fusion-IT-Modell: 
Die IT Consulting Services sind Inhouse Expert:innen, die flexibel in Fusion Teams und Fusion Projects entsandt werden, um dort strategisch zu beraten und umsetzend zu unterstützen. 

6. Governance of Enterprise IT – Leitplanken für Freiheit und Kontrolle

6. Governance of Enterprise IT – Leitplanken für Freiheit und Kontrolle

Ein modernes Betriebsmodell braucht klare Governance – jedoch ohne übermäßige Regulierung. Fusion IT setzt auf eine Form von Governance, die Orientierung gibt, gemeinsame Standards definiert und gleichzeitig dezentrale Entscheidungen ermöglicht. Sie verbindet technische Leitplanken mit einer Kultur, die Vertrauen, Ownership und schnelle Entscheidungswege fördert.  

Zentrale Elemente bleiben:

  • Architektur- und Datenprinzipien
  • Rollen- und Verantwortlichkeitsmodelle
  • agile Portfolio- und Priorisierungsmechanismen
  • definierte Standards für Security, Compliance und Integration
  • klare Regeln für die Zusammenarbeit zwischen Core IT, Enterprise Services und Fusion Teams

Ergänzt wird dies durch eine starke Leadership-Komponente: Führungskräfte verankern die Prinzipien der Fusion IT im Alltag, fördern Mut, Offenheit und Zusammenarbeit und schaffen so ein Umfeld, in dem Teams sicher und eigenverantwortlich agieren können. Governance definiert damit nicht nur Regeln, sondern prägt aktiv die Kultur.  

Ihre Rolle im Fusion-IT-Modell: 
Governance stellt sicher, dass Innovationen wirksam, nachhaltig und skalierbar entstehen – durch klare Leitplanken, gelebte Führung und eine gemeinsame Kultur. Sie schafft Stabilität, ermöglicht Geschwindigkeit und unterstützt Fusion Teams und Projects darin, sich auf kundenzentrierte Wertschöpfung zu fokussieren. 

Was Unternehmen auf dem Weg zur Fusion IT beachten sollten

Der Wandel zu Fusion IT ist mehr als eine organisatorische Umstellung. Er beginnt mit einem kulturellen Wandel. Wer IT und Business wirklich gemeinsam denkt, muss gewohnte Strukturen, Rollenbilder und Kommunikationsmuster hinterfragen. Es geht darum, Vertrauen, Eigenverantwortung und eine gemeinsame Lernkultur zu fördern.

Der Schritt zu Fusion IT ist ein strategischer Hebel für mehr Wachstum, Umsatz und Profit. Damit diese Wirkung voll entfaltet wird, sollten Unternehmen vier zentrale Erfolgsfaktoren beachten: 

  1. Kulturellen Wandel gestalten 
    Eine Einführung von Fusion IT ist nur erfolgreich, wenn sowohl die IT als auch das Business anfangen zusammenzuarbeiten, miteinander zu kommunizieren und sich auf Augenhöhe begegnen. Transparenz, Fehlerkultur und Entscheidungsfähigkeit sollten in diesem neuen Setting gefördert werden. Change Management kann begleitend unterstützen.
  2. Pilotieren statt planen 
    Fusion IT lebt vom Tun. In vielen Projekten hat sich gezeigt, dass Unternehmen deutlich erfolgreicher sind, wenn sie nicht mit langen Strategiepapiere beginnen, sondern früh mit einem Pilotbereich in die Umsetzung gehen und Erfahrungen schrittweise ausbauen. So lassen sich Risiken reduzieren und erfolgreiche Ansätze gezielt skalieren. Ein erstes Fusion-Team kann so bereits einen klaren Wertbeitrag liefern.
  3. Klare Richtung und Verbindlichkeit 
    Es benötigt ein gemeinsames Verständnis davon, wie IT und Business zukünftig zusammenarbeiten werden. Dafür hilft ein ganzheitliches, kommuniziertes Zielbild für IT Services, Prozesse und Rollen. Zudem unterstützen klare Entscheidungspfade, sowie Portfolio-, Planungs- und Priorisierungsmechanismen.  
  4. Wertströme mit End-to-End-Verantwortung  
    Den cross-funktionalen Fusion Teams sollte die Ergebnisverantwortung für ein Produkt oder Segment gegeben werden. Dabei haben sie die Freiheit Entscheidungen zu treffen, was Geschwindigkeit und Innovation erhöhen kann. Gleichzeitig sind sie verpflichtet, vereinbarte Umsatzziele mit ihrem Produkt oder Segment zu erreichen. Das stärkt das gemeinsame Verantwortungsgefühl für den Unternehmenserfolg.

Ein wirksamer Einstieg beginnt mit einer klaren Bestandsaufnahme der aktuellen IT-Struktur. Ein Assessment - wie der Campana & Schott IT Quick Check - zeigt präzise, wo die Organisation Tempo verliert, wo Governance ausgebremst wird und wo das Business bereits eigene Lösungen vorantreibt. Dabei werden entscheidende Faktoren wie Vertrauen, Kommunikation, Effizienz und Reaktionsgeschwindigkeit sichtbar – genau die Hebel, die über Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und geschäftlichen Erfolg entscheiden. 

Die IT wird zum integralen Bestandteil des Business

Fusion IT zeigt, dass technologische und kulturelle Entwicklung nur gemeinsam Wirkung entfalten. IT wird nicht ersetzt, sondern neu gedacht als aktiver Gestaltungsfaktor für den Geschäftserfolg. Aus der reaktiven IT wird ein strategischer Partner, der Innovation und Wertschöpfung gleichermaßen vorantreibt.

Der Wandel hin zu Fusion IT ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine kontinuierliche Entwicklung. Sie verlangt Mut, Klarheit und die Bereitschaft, Verantwortung neu zu verteilen. Wenn IT und Business ihre Kräfte bündeln, entsteht eine Organisation, die schneller lernt, flexibler handelt und nachhaltiger wächst. 

Campana & Schott begleitet Unternehmen auf diesem Weg ganzheitlich – von der Analyse der bestehenden IT-Strukturen über die Entwicklung tragfähiger Operating Modelle bis hin zur Umsetzung in Organisation, Prozessen und Kultur. So entstehen IT-Organisationen, die ihren Wertbeitrag deutlich steigern und messbar zu Wachstum, Umsatz und Profitabilität beitragen. 

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Kontakt

Sven Kreimendahl

Associate Partner IT Strategy & IT Transformation

Autoren

Michael Müller

Senior Manager Head of IT Management Advisory

Anneliesa Schneider

Senior Consultant