CEO

Von der digitalen zur nachhaltigen Transformation

26.08.2021

Warum sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht ausschliessen.

Die gerade veröffentlichten Ergebnisse des UNO-Klimarates (Climate change widespread, rapid, and intensifying – IPCC — IPCC) haben die Dringlichkeit des Handelns noch mal verschärft. So kommt kein Unternehmen mehr am Thema Nachhaltigkeit vorbei. Und ja, die Bedeutung des Themas ist in ihren Strategien angekommen: 74 Prozent der Unternehmen haben bereits Nachhaltigkeitsziele definiert, bei 63 Prozent sind sie sogar auf einzelne Organisationseinheiten heruntergebrochen. Das zeigt der aktuelle Future IT Report von Campana & Schott und der Universität Duisburg-Essen. 

Was mich dabei beschäftigt: In den aktuellen Debatten wird Nachhaltigkeit immer mehr in den Gegensatz zu Wirtschaftlichkeit gestellt. Das sehe ich aber nicht so. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit schliessen sich nicht aus – im Gegenteil, Nachhaltigkeit muss als attraktive Chance verstanden werden. Als Potenzial für Innovation und als Potenzial, Antworten auf neue Ansprüche der Kunden zu finden.   

Nachhaltigkeit in der IT und mit der IT

Doch viele Unternehmen besitzen derzeit noch keine übergreifende Nachhaltigkeitsstrategie, auch das ergab der Future IT Report 2021. Gerade hier lohnt sich ein Blick auf unsere Erfahrungen bei der digitalen Transformation. Die wohl wichtigste Erkenntnis dazu ist: Solange die Nachhaltigkeitsstrategie (top-down) noch nicht steht, sollten die Ideen und Initiativen der engagierten Mitarbeitenden gefördert und weiterverfolgt werden (bottom-up). Einzelne Massnahmen ausprobieren, Erfahrungen sammeln oder vielleicht erst einmal lokale Communities ermöglichen: Das war das bewährte Erfolgsrezept in der ersten Phase der digitalen Transformation – und eines der meistdiskutierten Themen in unserer Virtual Conference.

Dabei ist es wichtig, sich ambitionierte Ziele zu setzen, diese aber in vielen kleinen, erreichbaren Schritten umzusetzen. Das belegt auch der aktuelle Future IT Report 2021: Bereits die deutliche Mehrheit der Unternehmen (83 %) ist überzeugt, dass die digitale Transformation dabei hilft, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. So sehen wir in den Unternehmen zahlreiche Beispiele, wie wir in der IT und mit der IT die Jahrhundertaufgabe Nachhaltigkeitstransformation angehen können.  

In der IT sind dies etwa Massnahmen zur längerfristigen Nutzung von Hardware (Kreislauf-Ansatz) oder zum stromreduzierten Betrieb von Rechenzentren. 

Mit der IT lassen sich zum Beispiel Projekte umsetzen, mit denen Kunden (und die Umwelt) von ressourcenoptimierten Logistikprozessen profitieren oder Lieferanten konsequent nach Nachhaltigkeitskriterien analysiert und ausgewählt werden. 

Soziale Nachhaltigkeit – Beispiel Frontline Worker

Doch für mich gehören zur Nachhaltigkeitstransformation ganz zentral auch soziale Ziele. Wir bei Campana & Schott legen in der Beratung schon seit Jahren einen grossen Fokus auf die Einbeziehung aller Mitarbeitergruppen aus unseren Kundenunternehmen. Sogenannte Frontline Worker bilden mit über 80 Prozent den grössten Anteil der Belegschaft weltweit. Doch bei ihrer Tätigkeit in der Produktion, in der Logistik oder im direkten Kundenkontakt sind sie oft von digitalen Unternehmensplattformen abgeschnitten.  

Während wir also über Homeoffice oder hybride Arbeitsmethoden diskutieren, hat ein Grossteil der Mitarbeitenden keinen Zugang zu wichtigen Neuigkeiten, Prozessen und für sie relevanten Daten. Gerade die Covid-19-Pandemie hat dies noch einmal verdeutlicht. Aber bereits wenn Frontline Worker einfache, digitale Werkzeuge erhalten, sind sie deutlich besser eingebunden. Sie können sich dann eigenständig informieren oder an Diskussionen teilnehmen.

Mitarbeitende z. B. in der Produktion oder in der Logistik können laut unserer Schweizer Social Collaboration Studie 2020 unmittelbar die Abläufe in ihrem eigenen Arbeitsalltag verbessern. So sind digital eingebundene Frontline Worker (mit einem hohen Social-Collaboration-Reifegrad) um insgesamt 42 Prozent effizienter als diejenigen mit niedrigem Reifegrad. Dieser Effizienzeffekt durch soziale Digitalisierung ist sogar höher als bei den Kolleginnen und Kollegen am Schreibtisch (Information Worker: +39 %). 

Wenn Frontline Worker ihre Anregungen über digitale Kanäle kommunizieren – und dies tun sie im privaten Umfeld längst –, profitieren auch die Unternehmen und deren Kunden. Umgekehrt erfahren die Mitarbeitenden ihre eigene Wirksamkeit und fühlen sich stärker als Teil des Unternehmens. Vielleicht fühlen sie sich sogar mehr als Teil der Gesellschaft.  

Die Unterstützung von Frontline Workern ist ein Beispiel, wie kleine (soziale) Veränderungen die Nachhaltigkeit im Unternehmen deutlich voranbringen. 

Mein Fazit

Um die dringend erforderlichen Veränderungen in Umwelt und Gesellschaft konsequent und schnell zu erreichen, sind neue Gesetze und Verordnungen nötig. Das ist Aufgabe der Politik. Aufgabe der Unternehmen ist die kreative Gestaltung: Wie können wir Nachhaltigkeit als attraktive Chance für die Erfüllung neuer Kundenbedürfnisse und Wirtschaftlichkeit verstehen? Welche Lösungen und Angebote wollen wir ausprobieren? Wie können wir Kunden in die Entwicklung einbinden? Die digitale Transformation war bedingt durch wirtschaftliche Ziele. Die Nachhaltigkeitstransformation wird geleitet von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zielen. Ich finde das eine sehr motivierende Perspektive. 

Autor
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Dr. Eric Schott

CEO

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