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Microsoft Ignite 2019: Die digitale Revolution ist live

15.11.2019

Statt großer Versionsschritte setzt Microsoft auf kontinuierliche Entwicklung integrierter Lösungen.

Von Power Platform über Project Cortex, SharePoint- und Fluid-Framework bis hin zu Azure Synapse: Microsoft stellte auf der Ignite 2019 eine enorme Anzahl neuer Services und Funktionen vor. Damit wird klar, dass die Tage großer Produktvorstellungen vorbei sind. Continuous Delivery ist im Alltag angekommen und Unternehmen müssen sich darauf einstellen.

Es war einmal ... eine neue Office- oder Windows-Version, die mit einer großen Show in den Markt eingeführt wurde. Allerspätestens auf der Microsoft Ignite 2019 ist deutlich geworden, dass es heute statt eines Big Bang einen kontinuierlichen Strom an Innovationen gibt. Diese digitale Revolution umfasst alle Bereiche von Data Center über Platform-Services und Entwicklerlösungen bis hin zu Software as a Service.

Durch die enorme Vielzahl an Lösungen sowie die konstanten Veränderungen und Deployments wissen manchmal sogar die zuständigen Produktmanager bei Microsoft nicht mehr ganz genau, welche Funktionen brandaktuell veröffentlicht wurden oder wann sie in welchen Regionen verfügbar sind. Doch dies ist auch gar nicht mehr so wichtig. Denn neben der eigentlichen Funktion und der optimalen Sicherheit spielt die Integration in die umfassende Plattform eine immer größere Rolle. Was früher extrem abgegrenzte Inseln waren, ist heute ein Netz an integrierbaren Lösungskomponenten – umgeben von einem eigenen Security Layer.

Folgen für Unternehmen

Was bedeutet das für Unternehmen? Bislang mussten sie sich entscheiden, ob sie in innovative, neuartige Lösungen mit höherem Risiko oder eher in punktuelle, graduelle Optimierungen mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit investieren. Meist gewann die zweite Variante. Das ändert sich nun, da Technologien immer leichter verfügbar sind und sich sogar von Fachbereichen ohne Programmierkenntnisse nutzen und anpassen lassen.

Zum Beispiel werden immer mehr KI-Funktionen direkt in Low Code/No Code Tools eingebettet. So lassen sich auf Basis der Power Platform mit wenig oder ohne Code-Zeilen beeindruckende Apps erstellen – ähnlich wie bei einem WYSIWYG-Editor für Web-Seiten. Gleiches gilt für Auto ML in Power BI oder den AI Builder in Power Apps. Damit sinkt die Einstiegshürde deutlich – sowohl für Kunden als auch für Berater – und die Zeit von der Idee über Prototypen bis zur produktiven Nutzung reduziert sich deutlich.

Entsprechend müssen sich Unternehmen auch organisatorisch darauf vorbereiten, den Fachbereichen mehr Eigenständigkeit und Verantwortung für die Nutzung von IT-Lösungen zu geben. So wird die IT-Abteilung nicht mehr als zentrales Kontrollorgan fungieren, sondern muss gemeinsam mit den Fachabteilungen für optimale Lösungen sorgen. Zudem sollten sich IT- und Fachabteilungen permanent über neue Features informieren und deren Potenzial für das eigene Business abschätzen.

Power Platform nun bereit für Unternehmen

Die vielleicht wichtigsten Neuerungen auf der Ignite 2019 mit Blick auf „Operations“ gab es bei der Power Platform. Diese besteht nun aus vier Komponenten: Power BI, Power Apps, Power Automate – einer Kombination aus Flow und dem neuen Robotic Process Automation – sowie dem neuen Power Virtual Agent, mit dem sich Unternehmen eigene Bots erstellen können.

Microsoft hat hier die bisherige Kritik der Nutzer ernst genommen. Insbesondere wurde in die Bereiche Application Lifecycle Management (ALM), Governance und Testing investiert, um die Lösung zur Unternehmensreife zu bringen. Sie siedelt sich zwischen Software as a Service und Platform as a Service an und bildet quasi die Schnittstelle von Microsoft 365 und Azure. 

Da Fachbereiche jetzt ohne die IT-Abteilung eigene Lösungen erstellen und dadurch manuelle Prozesse ablösen können, lässt sich die Effizienz deutlich erhöhen. Entsprechend stellten auf der Ignite zahlreiche Unternehmen – von kleinen Firmen bis hin zu großen Konzernen – konkrete Anwendungen auf Basis der Power Platform vor.

Wichtige Neuerungen für Entwickler

Nicht nur die Citizen Developer (auch „Maker“ genannt) dürfen sich freuen, sondern auch die professionellen Entwickler: Im Bereich SharePoint Framework kündigte Microsoft neben der Bereitstellungsmöglichkeit für Teams die Option zur Erstellung von Outlook Add-ins an. Zukünftig können auch Add-ins für weitere Office-Produkte wie Word, Excel oder PowerPoint ergänzt werden. Damit lassen sich eine Codebasis und der SharePoint Add-in-Katalog als zentraler Ort für das Deployment in immer mehr Microsoft 365 Workstreams nutzen.

Das Fluid Framework soll Ende 2020 oder 2021 im SharePoint Framework integriert sein. Es ermöglicht ein Co-Authoring auf der zentralen Datenbasis einer Komponente nahezu in Echtzeit. Das bedeutet: Die Zusammenarbeit wird in Zukunft nicht mehr wie bisher dateibasiert, sondern komponentenbasiert ablaufen. Diese Komponenten lassen sich über diverse Applikationen nutzen, wobei die Business-Anwendungen dann nativ geräteübergreifend funktionieren.

Der Wissensarbeiter im Fokus von Project Cortex

Bei Project Cortex handelt es sich um einen Wissensmanagement-Service in Microsoft 365. Im Prinzip wird hier Microsoft Graph um Topics erweitert. KI-Technologie baut dabei Verbindungen von Menschen, Dateien, Themen und anderen Microsoft-365-Objekten auf. Die Topics lassen sich jedoch durch Menschen kuratieren, so dass sie der KI dabei helfen, besser zu werden. 

Analysen werden im Zuge der Informationsflut immer wichtiger. Power Query und Dataflows sind zur Integration und Transformation von Daten gedacht und waren bisher für kleinere (<10 GB) Datengrößen konzipiert. Dies wurde jetzt auf mittlere Datengrößen (400 GB) angehoben. Wer allgemein Datenmengen in Tera- und Petabyte verarbeitet, erhält mit Azure Synapse (vormals Azure SQL Data Warehouse) eine übergreifende Lösung zur Orchestrierung der Daten-Pipeline (Integration von Azure Data Factory), aber auch der Datentransformation (SQL Engine, Spark Queries, Jupyter Notebooks) und Visualisierung mit Power BI. Sie verknüpft Enterprise Data Warehousing mit Big Data Analytics. Zudem gibt es zahlreiche Verbesserungen im Bereich Analytics in Power BI (AutoML, Decision Tree Visual etc.).

Ignite

Fazit

Digitalisierung für alle

Die Ignite 2019 zeigt deutlich, dass immer mehr Unternehmen und Organisationen auf immer einfachere Art und Weise von den innovativen Chancen der Digitalisierung profitieren können. Denn bisherige Hürden werden wesentlich gesenkt und die Time-to-Market, insbesondere für interne Prozesse, reduziert sich, da es nun durch den Fachbereich angestoßen und vorangetrieben wird. Professionelle Entwickler bleiben aber immens wichtig, um Applikationen reibungslos in die bestehende IT zu integrieren. Auf Basis der aktuellen, integrierten Produktpalette von Microsoft lassen sich die benötigten Lösungen schrittweise einbinden und kontinuierlich aktualisieren. Damit kommt die aktuelle digitale Revolution im Unternehmen an.