Copilot Wave 3: Vom Assistenzwerkzeug zur Prozessplattform

Copilot Wave 3 ist seit einigen Wochen im Rollout. Dabei zeigt sich zunehmend, dass es weniger um einzelne neue Funktionen geht, sondern um eine veränderte Art zu arbeiten. Wir fassen die zentralen Entwicklungen und erste Einordnungen zusammen.

Copilot ist in vielen Unternehmen bereits im täglichen Einsatz. Die persönliche Produktivität einzelner Mitarbeitender konnte damit an vielen Stellen merklich gesteigert werden. Auch erste Use Cases auf prozessualer Ebene, meist in einzelnen Fachbereichen, zeigen messbaren Mehrwert. 

Gleichzeitig bleibt die Nutzung häufig auf einzelne Aufgaben beschränkt. Viele Unternehmen erreichen damit nicht den Schritt von ersten Pilotanwendungen hin zu einer breiteren Skalierung. Ein wesentlicher Grund dafür: Copilot wird eingesetzt, aber selten als durchgängige Plattform gedacht. Genau an diesem Punkt setzt Microsoft mit Wave 3 an. 

Wave 3 ist kein neues Produkt oder einzelnes Feature, sondern markiert eine Weiterentwicklungsstufe von Copilot. Im Fokus stehen Automatisierung, Kontextverständnis und Agenten. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Funktion als die veränderte Nutzung: weg von punktueller Unterstützung, hin zu Abläufen, die stärker in den Arbeitsalltag integriert sind. Copilot wird damit endgültig zur Prozessplattform. 

Von Aufgaben zu Abläufen

Agenten und automatisierte Abläufe sind im Microsoft-Umfeld kein neues Thema. Bereits vor Wave 3 konnten sie beispielsweise über Copilot Studio aufgebaut und genutzt werden. In der Praxis blieb diese Nutzung jedoch häufig auf Mitarbeitende mit entsprechendem Know-how beschränkt. Das Werkzeug erfordert ein Verständnis von Prozessen, Logik und Struktur und wurde daher vor allem in spezialisierten Rollen eingesetzt. 

Mit Wave 3 verändert sich weniger das Konzept als der Zugang. Copilot arbeitet nicht mehr nur auf einzelne Abfragen hin, sondern direkt innerhalb der Anwendungen. In Word, Excel, PowerPoint oder Outlook werden nicht mehr nur einzelne Schritte unterstützt, sondern vollständige Arbeitsaufträge umgesetzt. 

Der Unterschied liegt dabei weniger in neuen Funktionen als in der Art der Interaktion. Statt einzelne Prompts zu formulieren, beschreiben Mitarbeitende zunehmend das gewünschte Ergebnis. Copilot entwickelt daraus eigenständig einen mehrstufigen Ablauf, stellt bei Bedarf Rückfragen und setzt die notwendigen Schritte um. 

Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Statt eine Präsentation Folie für Folie zu erstellen, kann ein kompletter Arbeitsauftrag formuliert werden. Etwa: „Erstelle ein Präsentationsdeck für einen Produktlaunch auf Basis vorhandener Unterlagen, strukturiere die Inhalte nach Zielgruppen, bereite zentrale Botschaften visuell auf und halte dich an das Corporate Design.“ 
Copilot analysiert die vorhandenen Inhalte, entwickelt eine Struktur, erstellt die Folien, ergänzt Visualisierungen und passt das Ergebnis iterativ an. Der Ablauf entsteht dabei nicht Schritt für Schritt durch einzelne Anweisungen, sondern wird als Ganzes umgesetzt. 

Mit Funktionen wie Cowork geht dieser Ansatz noch weiter. Hier lassen sich nicht nur Inhalte innerhalb einer Anwendung erstellen, sondern komplette Abläufe anwendungsübergreifend delegieren.  

Der entscheidende Wandel liegt somit nicht in neuen Möglichkeiten für Spezialist:innen, sondern in der Durchdringung von KI in den Arbeitsalltag von praktisch jedem Mitarbeitenden. Agenten, die bisher punktuell eingesetzt wurden, werden zunehmend Teil der täglichen Zusammenarbeit. 

Was sich technologisch verändert

Diese veränderte Nutzung entsteht nicht isoliert, sondern wird durch mehrere technologische Bausteine ermöglicht.

1. Cowork: Automatisierung ganzer Abläufe

Cowork ist im Kontext von Copilot Wave 3 sowohl eine konkrete Funktion als auch Ausdruck einer veränderten Arbeitsweise. Während Copilot bisher vor allem auf einzelne Anfragen reagiert hat, ermöglicht Cowork die strukturierte Delegation kompletter Arbeitsabläufe. 

Der zentrale Unterschied liegt in der Art der Zusammenarbeit. KI wird nicht mehr Schritt für Schritt gesteuert, sondern wie ein Kollege eingebunden. Der Mensch definiert Ziel, Rahmen und gewünschtes Ergebnis. Cowork entwickelt daraus eigenständig einen Ablauf, stellt bei Bedarf Rückfragen und führt die notwendigen Schritte aus. 

Das Prinzip dahinter lässt sich in drei Punkten zusammenfassen: 

Arbeitsteilung statt Befehlskette

Der Mensch gibt Ziel, Richtung und Bewertung vor. Cowork übernimmt strukturierende, vorbereitende und ausführende Teilschritte.

Abläufe statt Einzelaktionen

Statt isolierter Prompts werden vollständige Arbeitsaufträge formuliert. Cowork entwickelt daraus einen mehrstufigen Prozess und setzt diesen um.  

Einbindung statt Kontextwechsel 

Cowork orchestriert und nutzt Funktionen aus verschiedenen Anwendungen, ein Wechsel zwischen den Tools ist für die Anwender nicht mehr nötig. 

Cowork eignet sich besonders für zwei Szenarien:

Komplexe, mehrstufige Aufgaben 

Beispielsweise Themenrecherche, Aufbereitung zentraler Botschaften für unterschiedliche Zielgruppen, Erstellung eines Präsentationsdecks und anschließender Versand an relevante Stakeholder. 
Was bisher in mehreren Einzelschritten und Abstimmungsschleifen erfolgte, kann als durchgängiger Arbeitsauftrag formuliert und von Cowork umgesetzt werden.  

Wiederkehrende, strukturierte Aufgaben

Etwa die regelmäßige Konsolidierung von Statusinformationen aus einem Team. Cowork kann Rückmeldungen einholen, Ergebnisse strukturieren und als Management Summary aufbereiten. 
Der Ablauf lässt sich zeitgesteuert ausführen, beispielsweise zum Ende der Woche, während der Mensch nur noch die finale Prüfung übernimmt.  

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, Aufgaben klar zu beschreiben. Wer gelernt hat, Arbeit zu strukturieren und zu delegieren, ist hier im Vorteil. Gleichzeitig bleibt der Handlungsspielraum der KI definiert: Copilot agiert innerhalb bestehender Berechtigungen, arbeitet kontextbezogen und bindet den Nutzer an entscheidenden Stellen ein, etwa für Freigaben oder Korrekturen. 

Zusätzlich lassen sich wiederkehrende Anforderungen über sogenannte Skills abbilden. Dabei handelt es sich um wiederverwendbare Instruktionen, die Copilot bei der Ausführung automatisch berücksichtigt, beispielsweise Designvorgaben oder Formatierungsregeln. Dadurch lassen sich Abläufe standardisieren und konsistent skalieren.

Hinweis für Europa: Die Datenverarbeitung bei Cowork erfolgt aktuell außerhalb der EU Data Boundary. Viele Unternehmen, insbesondere im regulierten Umfeld, setzen Cowork daher noch nicht produktiv ein. Eine EU-konforme Lösung ist angekündigt. 

2. Work IQ: Kontext als Grundlage

Work IQ beschreibt im Kontext von Microsoft Copilot Wave 3, wie Arbeit verstanden, bewertet und gesteuert werden kann, wenn KI und Agenten dauerhaft im Arbeitsfluss mitwirken. Während Cowork das Zusammenspiel von Mensch und KI beschreibt, adressiert Work IQ die Frage nach der Wirkung: Welche Arbeit entsteht, wie verändern sich Entscheidungen, und wo entsteht tatsächlicher Wert? 

Work IQ besteht aus mehreren technischen Bausteinen, die Copilot – unabhängig davon, ob es sich um einen einfachen Prompt oder einen Agenten handelt – mit dem passenden Kontext versorgen, ohne dass wie früher umfangreiche Eingaben durch den Nutzer erforderlich sind. Es gilt weiterhin: Je spezifischer der bereitgestellte Kontext zur Anfrage passt, desto besser das Ergebnis. Mit Work IQ wird dieser Kontext nun automatisch recherchiert und mitgeliefert. Dazu gehören wie bisher Daten aus Microsoft 365, aber auch Informationen aus Drittsystemen, der Rollenkontext sowie personalisierte Nutzungsdaten. Ergänzt wird dies durch die Einbindung von Skills und Tools. 

Technische Grundlage dafür ist der Microsoft Graph als zentrale Intelligenzschicht von Microsoft 365. Er verknüpft Signale aus E-Mails, Meetings, Dateien, Aufgaben und Zusammenarbeit und stellt den Arbeitskontext bereit, den Copilot und Agenten nutzen. Auf dieser Basis kann KI die Inhalte nicht isoliert erzeugen, sondern Zusammenhänge erkennen, Entscheidungen vorbereiten und Arbeit kontextbezogen unterstützen. 

Work IQ nutzt diese Intelligenzschicht, um Transparenz darüber zu schaffen, welche Tätigkeiten von KI übernommen werden, wo menschliche Arbeit gezielt aufgewertet wird und wie sich Arbeits‑ und Entscheidungsprozesse insgesamt verändern. Work IQ wird damit zum Orientierungsrahmen, um KI‑gestützte Arbeit nicht nur effizienter, sondern auch bewusst, steuerbar und verantwortungsvoll zu gestalten.

3. Agent 365: Governance, Steuerung und Kontrolle

Agent 365 schafft die zentrale Governance- und Steuerungsebene für den Einsatz von Agenten im Unternehmen. IT-Verantwortliche erhalten Transparenz darüber, welche Agenten im Einsatz sind, wofür sie genutzt werden und innerhalb welcher Regeln und Freigabeprozesse sie agieren dürfen. 

Damit wird eine Voraussetzung geschaffen, um den Einsatz von Agenten kontrolliert und skalierbar zu gestalten, insbesondere dann, wenn unterschiedliche Plattformen parallel genutzt werden. Agent 365 berücksichtigt dabei nicht nur Microsoft-eigene Lösungen, sondern auch Agenten aus Drittsystemen wie Salesforce oder SAP. So entsteht eine übergreifende Sicht auf agentenbasierte Automatisierung und Zusammenarbeit – unabhängig vom jeweiligen Ursprungssystem. Ab Mai 2026 ist Agent 365 allgemein verfügbar. 

Was diese drei Bausteine gemeinsam ermöglichen: Abläufe lassen sich standardisieren, wiederverwenden und auf andere Bereiche übertragen. Copilot entwickelt sich damit von einem Werkzeug für individuelle Produktivität zu einer Plattform für operative Prozesse.

Lizenzierung: Welche Funktionen in welchen Paketen enthalten sind

Wave 3 ist kein eigenständiges Produkt, sondern erweitert bestehende Microsoft-365-Angebote. Für Unternehmen verschiebt sich damit auch die Frage der Lizenzierung: nicht, ob neue Lizenzen benötigt werden, sondern welche Funktionen bereits verfügbar sind und wie sie sinnvoll kombiniert werden.

Cowork

Cowork ist aktuell über das Frontier-Programm als Vorschauversion verfügbar und setzt eine M365 Copilot-Lizenz voraus. 

Work IQ

Work IQ ist Bestandteil von Microsoft 365 Copilot und steht damit allen M365 Copilot-Nutzern ohne zusätzliche Lizenz zur Verfügung.

Agent 365

Agent 365 ist ab Mai 2026 verfügbar, entweder als Einzellizenz oder als Teil des neuen E7-Bundles.

E7

E7 ist das neue Toplizenzpaket von Microsoft und bündelt E5, M365 Copilot, Agent 365 und die Microsoft Entra Suite. Für Unternehmen, die bereits E5 und Copilot im Einsatz haben, führt E7 bestehende Komponenten zusammen und kann wirtschaftlich sinnvoll sein, insbesondere wenn der Einsatz von Agenten skaliert werden soll. 

Fazit

Wave 3 ist kein klassisches Funktionsupdate. Es markiert eine klare Verschiebung: weg von punktueller Unterstützung, hin zur strukturierten Automatisierung von Abläufen. 

Entscheidend ist dabei nicht, dass neue Möglichkeiten entstehen. Viele dieser Ansätze waren bereits vorhanden. Neu ist, wie sie in den Arbeitsalltag integriert werden und damit breiter nutzbar werden.  

Die technologischen Voraussetzungen sind mit Wave 3 gegeben. Ob daraus echte Wirkung entsteht, hängt weniger von der Technologie ab als von der Organisation dahinter. Warum KI-Skalierung in vielen Unternehmen trotzdem ausbleibt und was sich dafür ändern muss, beleuchten wir im zweiten Teil zu Copilot Wave 3.

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