20.06.2023

Der freiwillige Fußabdruck als erster Schritt des Carbon Managements

Die Verbesserung der Datenverfügbarkeit über THG-relevante Emissionsquellen ist eine Grundvoraussetzung für ein klimafreundliches Unternehmen.

Einführung

Liebe am Thema Nachhaltigkeit interessierte Lesende, mein Name ist Frank Helbig und ich verantworte als Expertise Lead die vielen Aspekte des Wirtschaftens unter Berücksichtigung der Belange zukünftiger Generationen auf Planet A. Zum Auftakt geht es um die universellste Einheit der größten Herausforderung dieses Jahrhunderts – die Tonne CO2-Äquivalente. Ein jedes großes Unternehmen muss ab 2025 dazu aussagefähig sein. Ich setze mich seit vielen Jahren damit, wie sich CO2 binden und vermeiden lässt, aber auch wie dies belastbar quantifiziert und gesteuert werden kann, auseinander.

Sie alle kennen Labels wie Klimaneutral, Netto-Null oder Klimapositiv. Was genau dahinter steckt, ist schwer nachvollziehbar, weshalb einige Organisationen der Zivilgesellschaft sie für irreführend halten. Was ich selbst etwas irritiert anerkennen musste, als ich an der Tankstelle klimaneutrales Benzin tankte. Kann Benzin ernsthaft klimaneutral sein?! Mehr als 80 solcher umweltbezogenen Labels werden derzeit in Brüssel geprüft und es ist zu erwarten, dass viele wohl verschwinden werden. 

Doch abgesehen von der strittigen Aussagekraft solcher Labels, haben sie einen wichtigen Beitrag zu einer Geschäftspraxis geleistet, welche bald unabdingbar für integres Wirtschaften innerhalb der EU ist – CO2-Management. Denn Voraussetzung für ein Gütesiegel wie Klimaneutralität ist die Quantifizierung des CO2-Fußabdrucks, also das Inventarisieren aller THG-Emissionsquellen. 

Inventarisierung Ihrer Prozesse als Wettbewerbsvorteil

Wer schon einmal einen CO2-Fußabdruck erstellt hat, weiß, wie viel Aufwand damit verbunden ist. Alle Prozesse des Unternehmens, von Herstellung über Nutzung der Produkte bis hin zu End-of-Life, sind zu erfassen und mit verifizierten Emissionsfaktoren zu verknüpfen. Das führt zu riesigen Datenmengen, welche unternehmensweit verarbeitet werden müssen. Wirksamer Klimaschutz heißt zudem, diese Inventare hinsichtlich CO2-Vermeidung zu optimieren. 

Was heute wie ein enormer Aufwand wirkt, ist morgen der Wettbewerbsvorteil. Denn mit CO2-Steuern, sich verknappenden EU-Emissionshandels-Zertifikaten sowie steigenden Preisen für Energie und im schlimmsten Fall Strafzahlungen wegen Verstößen gegen eine gesetzliche Berichtspflicht wird Carbon Management zum Erfolgsfaktor. 

Um Treibhausgasinventare so zu erstellen, dass sie auditiert werden können, muss man wissen, was man tut. Es ist ein komplexes Unterfangen! Das GHG-Protokoll ist hierfür führendes Rahmenwerk zur Quantifizierung des Beitrags eines Unternehmens zum Klimawandel. THG-Emissionen sind in drei Bereiche (sog. Scopes) von direkten bis indirekten Emissionen eingeteilt. Scope 3 zum Beispiel geht weit über die Grenzen des Steuerbaren eines Unternehmens hinaus und birgt die größten Schwierigkeiten für Carbon Management. 

Sind Emissionen gemäß ISO 14040 erfasst, haben Sie eine Momentaufnahme. Bei Campana & Schott machen wir das seit einigen Jahren und wissen aus Erfahrung, wo die Fallstricke und Herausforderungen beim Übergang von der Momentaufnahme hin zum kontinuierlichen Carbon Management liegen. Spannend wird‘s, wenn Digitalisierung und Nachhaltigkeit verschmelzen. ERP, SAP, SaaS-Berichte und jede andere Art von Software, die für die Verwaltung von Geschäftsprozessen genutzt wird, liefern die Daten, die für die Berechnung der Kohlenstoffintensitäten, also CO2-Äquivalente pro Produkt, gebraucht werden. Diese Systeme und die Formate der Datenberichte können harmonisiert werden, um vollständige Klima-Transparenz über alle Geschäftsaktivitäten zu liefern – fast ohne Aufwand.  

Mit der richtigen Software die Klimaziele erreichen

Es gibt eine Vielzahl an Carbon-Management-Software. Microsofts Sustainability Manager, das Carbon Action Model von EcoVadis oder andere Lösungen, wie die von SAP, helfen Ihnen dabei, Überblick über die Ökologie globaler Lieferketten zu gewinnen. Das müssen sie auch, denn die Einhaltung von Vorschriften wird für Unternehmen zu einem immer größeren Aufwand. CO2 ist hierbei noch eine der leichter zu erfassenden Dimensionen, man denke an Menschenrechte als Teil des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (mein Lieblingswort der deutschen Bürokratie). 

Zurück zum CO2 und dem Geschäft – die Fähigkeit einer Carbon-Management-Software, sich in Ihre IT-Umgebung einzugliedern, ist der entscheidende Faktor. Keine weitere Software, sondern eine Ergänzung ist der Schlüssel. Denn Sie werden diese in den nächsten Jahren regelmäßig nutzen. Das ist es, was mir am Sustainability Manager von Microsoft gefällt. Dieser kann mit Datenquellen Ihrer bestehenden IT-Umgebung verbunden werden und Schnittstellen zu externen Quellen aufbauen, so dass ESRS-konforme Berichte exportiert werden. Damit werden Lücken in der Datenverfügbarkeit identifiziert und der Grundstein für die Automatisierung dieser Prozesse gelegt. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verbesserung der Datenverfügbarkeit über THG-relevante Emissionsquellen eine Grundvoraussetzung für ein klimafreundliches Unternehmen ist. Durch die Abbildung von Geschäftsprozessen, der Verknüpfung mit Emissionsfaktoren in einem Inventar sowie durch automatisierte Datenerfassung können Unternehmen Bereiche mit Verbesserungsbedarf ermitteln und wissenschaftlich fundierte Klimaziele festlegen. Dies ist der Kern des Carbon Managements. Damit sind Dashboards, Infografiken und automatisierte Berichte das „Tüpfelchen auf dem i“. Sei es für eine überzeugende ESG-Performance, für taxonomiekonforme Geschäftsmodelle oder für Ihre Kunden.

Autor

Frank Helbig

Expertise Lead Sustainability